Das Vermächtnis eines Vaters

paul-flanagan-300x200 Das Vermächtnis eines Vaters

Paul Flanagan mit Thomas und Lucy

Es hat irgendwie gut zu meinen Gedanken & Gefühlen während der letzten Tage gepasst, dass ich gestern in der Daily Mail über diesen Artikel gestolpert bin. Ich übersetze den (sehr langen) Text hier für Euch vollständig, denn ich finde, er ist Wort für Wort lesenswert:

Erinnerungen, die nicht verblassen

Erinnerungen an Mandy Flanagan’s verstorbenen Ehemann Paul finden sich überall in dem Haus, in dem die Familie gemeinsam lebte.

Bilder von Paul als wuschelhaariger Schulbub, als gutaussehender Rugby Star im Teenage-Alter, als Jungvermählter und als hingebungsvoller Vater zieren die Wände des Landhauses.

Aber Paul, ein Lehrer, der 45-jährig im November 2009 an Krebs starb, hatte den innigen Wunsch, dass er seinen Kinder  Thomas und Lucy (bei seinem Tod 5 und eineinhalb Jahre alt) mehr als ein paar verblassende Photos als Erinnerung hinterlassen würde.

Keine Zeit für Selbstmitleid

Es gab für Paul nichts wichtigeres, als seinen Kindern der beste Vater zu sein“, sagt seine Frau Mandy (44). “Als er wusste, dass er sterben würde, nahm er sich keine Zeit für Selbstmitleid. Er hat sich nur mehr darauf konzentriert, seinen Kindern auch dann noch ein guter Vater zu sein, wenn er sie nicht mehr persönlich begleiten könnte.

Er schrieb ihnen Briefe, filmte Nachrichten für sie, kaufte zukünftige Geburtstagsgeschenk und füllte eine große Truhe mit seine Lieblingsbüchern.

Jedes Buch ist mit einer Nachricht versehen, die Thomas und Lucy erklärt, warum Paul es liebte und wie sehr er hoffte, dass es ihnen ebenso ergehe, wenn sie alt genug wären die Bücher zu lesen“, erklärt Mandy.

Paul’s Vermächtnis

Aber das vielleicht größte Geschenk an seine Frau und Kinder ist ein Dokument mit dem Titel “Wie Du Erfüllung findest“, das Mandy ganz zufällig vor kurzem in Paul’s Laptop fand.

Ich öffnete es und während mir die Tränen über die Wangen liefen, entdeckte ich Paul’s “Code”, wie man ein gutes und glückliches Leben führt“, erzählt Mandy.

Die Liste mit 28 Regeln für ein erfülltes Leben enthielt keine Plattitüden, jeder Punkt reflektiert genau das Leben, das Paul führte. Er war mutig, weise und aus tiefstem Herzen anständig und bescheiden, aber ich hätte nie die Worte gefunden, dies alles so perfekt auszudrücken. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mich tröstet, dass die Kinder mit einem tiefen Verständnis dafür aufwachsen werden, was Paul zu “unserem” Paul gemacht hat“, so Mandy.

Sie fügt hinzu: “Wir hätten heuer unseren 10. Hochzeitstag gefeiert und während wir eine “ganz normale” Ehe führten – viel Liebe und Lachen, aber auch viele Diskussionen – bemerkte ich beim Lesen seiner Worte, wie sehr wir in grundlegenden Fragen und Ansichten absolut übereinstimmten.”

An seine Kinder schreibt Paul:

In den letzten Wochen nach meiner endgültigen Diagnose habe ich in meinem Herzen und meiner Seele nach Wegen gesucht, wie ich Euch begleiten kann, während Ihr größer werdet.

Ich habe darüber nachgedacht, was im Leben wirklich zählt, welche Werte und Ziele Menschen glücklich und erfolgreich machen. Meiner Ansicht nach ist die Formel wirklich einfach – vielleicht habt Ihr heute andere Ideen dazu.

Daher möchte ich Euch einige Ratschläge mitgeben. Es sind die Prinzipien, nach denen ich versucht habe, mein Leben auszurichten und genau dazu würde ich Euch immer ermutigen, hätte ich dazu die Möglichkeit.

Und vergesst nie: Ich liebe Euch über alles!

Es folgt eine außergewöhnliche Liste an Regeln, die uns alle inspirieren könnten, ein glücklicheres Leben zu führen. Die Liste reicht von Tischmanieren bis zu Tratsch und alles, was dazwischen wichtig ist.

Das ist mein Paul – Wort für Wort“, kann Mandy heute lachen. “Er war ein altmodischer Lehrer und ausgesprochen penibel, wenn es um Manieren ging. Ich selbst achte peinlich genau auf die Höflichkeit der Kinder, weil ich weiß, wie wichtig das Paul war.”

Paul’s Erkrankung

Bei Paul wurde 2004 erstmals Hautkrebs diagnostiziert. Ein Muttermal war bösartig geworden und wurde entfernt als Sohn Thomas ein paar Monate alt war.

Im Jänner 2008, als Mandy die gemeinsame Tochter Lucy erwartete, gaben die Ärzte Paul nach Jahren regelmäßiger Kontrollen Entwarnung. “Paul war so eine positive Person, aber er hat sich nie erlaubt, zu glauben, dass der Krebs wirklich besiegt war“, erinnert sich Mandy.

Im Mai des gleichen Jahres fühlte Paul eine Schwellung unter dem Arm und die Ärzte bestätigten die schlimmsten Befürchtungen: Der Krebs hatte gestreut und sich in den Lymphknoten angesiedelt, kurz später wurden Metastasen im Hals entdeckt. Operationen und Bestrahlungen konnten nichts mehr bewirken und im März 2009 zeigten Untersuchungen Metastasen im Gehirn. Paul blieb nur mehr wenig Zeit.

Die letzten Monate

Er hat sich nie selbst bemitleidet“, sagt Mandy. “Die Diagnose, vielleicht auch die Medikamente, die er nahm, lösten eine Art von Manie aus. Er hatte plötzlich so viel Energie – während ich im Bett lag und vor Sorgen nicht schlafen konnte, arbeitete Paul die ganze Nacht durch, um seine Sachen in Ordnung zu bringen.

Akribisch ordnete er die Familienfinanzen, organisierte sein eigenes Begräbnis, kaufte sogar die Erinnerungsbank für die Schule, in der er seit 2003 unterrichtete und stellte ein Cricket-Team unter seinen Freunde zusammen, das in Zukunft einmal jährlich ein Erinnerungsspiel zugunsten der Melanom-Stiftung abhalten sollte.

Über die Wochen sammelten sich im Esszimmer Stapel an Schuhschachteln voll mit Papieren, handgeschriebenen Briefen, DVDs mit Nachrichten für seine Familie und Freunde.

Als sich Paul’s Gesundheitszustand deutlich verschlechterte, bestand er darauf, mit Mandy Geschenke für die 18. und 21. Geburtstage seiner Kinder zu kaufen.

Ich weiß nicht mehr, wie wir das durchgestanden haben, aber es war ein eigenartiger Adrenalinschub, der uns aufrecht hielt“, erinnert sich Mandy. “Du musst einfach tun, was getan werden muss. Wir fuhren zu einem Juwelier in London um Lucy einen Ewigkeitsring für ihren 21. Geburtstag zu kaufen. Als uns die Verkäuferin nach der Größe fragte, sahen wir uns fragend an und meinten, wir wüssten diese nicht. Die Verkäuferin sah Paul an und erkannte seinen Zustand. Dann sahen wir alle drei zu Lucy, die ahnungslos daneben wartete“, erzählt Mandy.

Lucy wurde vergangenen Sommer getauft. Sie hat eine Patentante und gleich neun Patenonkel, jeder ein enger Freund ihres Vaters.

Paul hat das so geplant, weil er wohl wollte, dass seine Freunde eine enge Bindung zu unserer Familie behalten würden – und wenn Lucy schon keinen Vater mehr hätte, wäre ein wundervolles Team an Paten das mindeste was sie verdiente“, ist Mandy überzeugt.

Als Paul schließlich zu Hause stirbt, acht Monate nach seiner endgültigen Diagnose, ist sich Mandy sicher, dass er mit der Gewissheit geht, dass er seinen Kindern das bestmögliche Vermächtnis hinterlassen hat.

Wenn Menschen die Diagnose erhalten, sie hätten nur mehr kurze Zeit zu leben, dann glauben viele, sie müssten nachholen, einmal den Grand Canyon gesehen zu haben oder einmal Bungee Jumping probiert zu haben. Nicht so Paul: Alles, was ihm wichtig war, war genau vor seinen Augen. Er lebte und starb nach seinen ganz eigenen Regeln und ich weiß, dass er seine Erfüllung gefunden hat“.

Paul’s 28 Regeln für ein erfülltes Leben

  1. Sei höflich, sei pünktlich, sag “Bitte” und “Danke” und halte Messer und Gabel richtig. Andere werden Dich so behandeln, wie sie dich nach Deinen Manieren einschätzen.
  2. Sei freundlich, aufmerksam und mitfühlend, wenn andere Menschen Probleme haben, auch wenn du selbst Sorgen hast. Deine Selbstlosigkeit wird geachtet werden und die Hilfe kommt zu Dir zurück.
  3. Zeige Zivilcourage. Tu was richtig ist, auch wenn es nicht populär ist. Ich fand es immer wichtig, morgens in den Rasierspiegel zu schauen ohne mir etwas vorwerfen zu müssen und ohne etwas zu bereuen. Ich gehe von dieser Welt mit einem reinen Gewissen.
  4. Sei bescheiden. Vertrete deine Meinung, aber halte inne, um die Meinung anderer zu hören. Revidiere Deine Ansicht, wenn Du im Unrecht bist. Hab nie Angst davor, Dein Gesicht zu verlieren, das passiert nur Dummköpfen.
  5. Lerne aus Deinen Fehlern. Du wirst viele machen, verwende sie als Lernwerkzeug. Wenn Du immer wieder die gleichen Fehler machst, machst Du etwas falsch.
  6. Mache niemanden vor anderen herunter – das wirft nur ein schlechtes Licht auf dich. Wenn Du mit einem Menschen Probleme hast, sag es ihm von Angesicht zu Angesicht.
  7. Sei besonnen. Wenn dir jemand in die Quere kommt, reagiere nicht unüberlegt. Sobald Du etwas ausgesprochen hast, kann es nicht zurückgenommen werden. Die meisten Menschen verdienen eine zweite Chance.
  8. Hab Spaß. Wenn das bedeutet, Risiken einzugehen, so ist das gut. Wenn Du erwischt wirst, dann steh dazu.
  9. Spende für karitative Zwecke und hilf jenen, die es weniger gut getroffen haben. Das ist einfach und belohnt dich selbst.
  10. Denke positiv. Das Glas ist niemals halb leer, es ist immer halb voll. Zu jeder Widrigkeit im Leben findest Du auch einen Lichtblick, wenn Du danach suchst.
  11. Mach es Dir zur Gewohnheit “Ja” zu sagen. Suche nach Gründen, etwas zu tun und nicht danach, etwas nicht zu tun. Deine Freunde werden das an dir schätzen.
  12. Denke weiter. Manchmal kriegst Du mehr von dem, was Du möchtest, wenn Du mehr gibst als der andere erwartet. Kompromisse können ans Ziel führen.
  13. Nimm jede Einladung an. Auch wenn Du vielleicht keine Lust hast, will man Dich sehen, sonst hätte man dich nicht eingeladen. Zeige Deine Bereitschaft und Deinen Respekt.
  14. Lass nie einen Freund in Stich. Ich würde für meine Freunde über Leichen gehen, wenn sie mich darum bitten… genau deshalb habe ich sie sehr sorgfältig ausgewählt.
  15. Gib für guten Service immer Trinkgeld. Es zeigt Deinen Respekt. Belohne aber nie lausigen Service. Schlechter Service ist eine Beleidigung.
  16.  Behandle jeden Menschen als gleichgestellt, ganz egal wo er auf der sozialen Leiter steht. Zeige höhergestellten Personen deine Achtung, ohne dich anzubiedern.
  17. Achte das Alter, Alter ist Weisheit.
  18. Stelle die Anliegen Deiner Geschwister allem voran.
  19. Sei stolz darauf, wer du bist und woher du kommst, aber öffne deine Augen für andere Kulturen und Sprachen. Wenn beginnst zu reisen (und ich hoffe, das werdet Ihr), wirst du lernen, dass dein Platz in der Welt so bedeutend wie unwichtig ist. Maße dir nicht mehr an, als dir zusteht.
  20. Sei ehrgeizig – aber nicht als Selbstzweck. Untermauere Deine Ansprüche durch gute, solide Arbeit und Können.
  21. Koste jeden Tag voll aus: Tu etwas, das Dich lächeln oder lachen lässt – und vermeide das Verschieben von Dingen.
  22. Gib in der Schule Dein bestes. Manche Lehrer vergessen, dass Schüler Anreize zum Lernen brauchen. Wenn Dein Lehrer also darauf vergisst, sorge selbst dafür.
  23. Bezahle immer, was Du dir gerade noch  leisten kannst.  Du bekommst genau das, wofür Du bezahlst. Knausere nicht bei Reisen, Kleidung etc. Halt aber immer Ausschau nach einem guten Deal.
  24. Gib niemals auf! Meine zwei kleinen Soldaten haben zwar keinen Dad, aber Ihr seid mutig, großherzig, gesund und kräftig. Und ihr seid eingehüllt in die Liebe eines wunderbaren Teams an Familie und Freunden. Ihr habt Euer Glück selbst in der Hand – also kämpft weiter.
  25. Bemitleidet Euch nicht selbst – jedenfalls nicht lange. Tränen machen nichts einfacher.
  26. Achtet auf euren Körper und er wird es euch danken.
  27. Lernt eine Sprache oder versucht es zumindest. Wenn Du im Ausland jemanden ansprichst, dann solltest du ihn zuerst in seiner Sprache grüßen oder ihn zumindest in seiner Sprache fragen können, ob er Englisch spricht!
  28. Und zuletzt: Achtet eure Mutter und passt gut auf sie auf!

Ich liebe Euch beide von ganzem Herzen,
Daddy

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