Stricken, Häkeln lernen * Strickanleitungen * Socken stricken

„Die Hand im Kopf“ oder Textiles Gestalten mit Kindern

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Crafts and Arts around the World by Mariama.

Heute möchte ich gerne über ein persönliches Anliegen schreiben.

Wie ihr jetzt inzwischen sicher schon wisst, bin ich Lehrerin für Textiles Werken. Und das Textile Werken ist mein Beruf, mein Hobby und ein zentrales Thema meines Lebens.

Seit meiner Geburt bin ich mit „Handwerk“ umgeben. In einem Bergbauerndorf bei einer Großfamilie aufgewachsen, wo alle einem handwerklichen Beruf nachgingen, war ich in angenehmer Weise immer mit einem Handwerk und mit Werkstätten konfrontiert. Wie man so schön sagt, es wurde mir in die Wiege gelegt.

Ganz besonders natürlich liegt mir das textile Gestalten mit Kindern am Herzen. Da ich bereits die Möglichkeit hatte mit Kindern in Europa und in Afrika zu arbeiten, erlaube ich mir zu behaupten, dass textiles Werken für alle Kinder auf der ganzen Welt geeignet ist, Kinder überall begeistert und sprachliche oder kulturelle Unterschiede Nebensächlichkeiten werden.

Es ist eine große, weite, wunderbare Welt, mit tollem bunten Materialien und der Freiheit dass nichts perfekt sein muss, sondern die Freude am Tun zählt.

Viele Kinder lieben es, zu handarbeiten, zu malen und Dinge zu gestalten. Und dieses Interesse lohnt sich auf jeden Fall zu fördern, denn kreative Aufgaben fördern nicht nur die Fantasie, sondern auch die geistigen und motorischen Fähigkeiten. 

Das freie Gestalten mit textilen Techniken ist äußerst wichtig für die Entwicklung des Kindes. Neben der (Fein)Motorik werden auch Ausdauer, Geduld und Konzentrationsfähigkeit geschult. Das Fühlen unterschiedlicher Materialien regt die Kreativität an und fördert die Entwicklung des Gehirns.

Ein Kind lernt und versteht durch praktische Handlungen viele Dinge einfacher und besser. («Sage es mir, und ich vergesse es; zeige es mir, und ich erinnere mich; lass es mich tun, und ich behalte es.»)

Es lernt die verschiedenen Farben und unterschiedlichen Materialien kennen und lernt, diese Dinge zu benennen und mit ihnen umzugehen.

Textiles Werken gibt Ihrem Kind Selbstbewusststein. Jeder kleine Künstler ist überaus stolz, wenn er sein selbstgemachtes Kunstwerk präsentieren und es jemandem feierlich als Geschenk überreichen kann.

Ihr Kind lässt seiner Phantasie freien Lauf, stellt sich verschiedenste Dinge vor und versucht, diese Ideen in die Tat umzusetzen.

Werden solche Tätigkeiten selten geübt, fehlen später wichtige Fähigkeiten.

Aber in den Grundschulen ist zu spüren, dass die traditionellen textilen Techniken verloren gehen. Viele Kinder können nicht mehr knoten, keine Schleifen binden, nicht flechten oder Bänder drehen, keine Perle annähen oder können keinen Faden einfädeln, weil ihnen die Feinmotorik fehlt, bzw. weil mit ihnen nicht textiltechnisch gestaltet wurde. Oft bereitet das beidhändige und ausdauernde Arbeiten den Kindern große Schwierigkeiten.

Unsere Kinder scheinen nicht nur einen Laptop, sondern auch Pinsel, Strick- und Sticknadel zwischen die Hände bekommen zu müssen, um ihre Lernpotentiale vernetzter ausschöpfen zu können. Kreative Erfahrungen textiler Techniken führen zu immer neuen Ausdrucksformen die gerade bei Techniken wie Stricken, Häkeln, Sticken, Nähen oder Weben besonders zum Tragen kommen.

Sticken fördert Feinmotorik, ist ordnungsgebend und musterbildend, beruht auf Wiederholung und benötigt viel Ausdauer und Geduld.

Stricken entspannt und lässt Gedanken freien Lauf. Die ewig gleiche Bewegung der Finger hat meditative Wirkung und aus einem Faden etwas zu schaffen, das einen umhüllt und wärmt ist ein hoch befriedigender Aspekt.

Bildungsexperten wie auch Eltern sind gefordert, den Kindern alle Möglichkeiten zu bieten, ihre Lernpotentiale zu nutzen – textiles Gestalten ist dabei ein bisher unterschätzter wichtiger Beitrag, der nicht wie es zur Zeit geschieht aus den Lehrplänen gestrichen werden darf. Wir brauchen nicht verlängerte Lehrpläne, verkürzte Unterrichtszeit und nicht ausgebildtete Werklehrer, sondern „Textiles Werken“ als Bildungsauftrag. Zu Vernetzen, zu Verknoten, sich in Verstrickungen zu Bewegen, sich Einfädeln zu können sind sinnbildlich gesprochen hoch komplexe Fähigkeiten, nicht nur textiltechnisch.

Meine Vision geht noch weiter ….

Generationsübergreifendes Arbeiten mit Kindern und Senioren.

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Alte Hasen und junges Gemüse“

Sinnvoll. Beide Generationen, sowohl die Kinder als auch die Senioren profitieren ungemein von dieser generationsübergreifenden Arbeit.

Die Kinder werden so in ihrer Entwicklung gefördert – und die Senioren gewinnen an Lebensquatität.

Die Gewissheit, mit Menschen der jüngeren Generation in Kontakt zu treten, löst das Gefühl von Bedeutsamkeit und „In-der-Welt-Sein aus“.

Viele ältere Menschen, deren Motorik schon etwas eingeschränkt ist, lieben es dennoch, ihre Zeit mit Basteleien und Handarbeiten zu verbringen.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, mit Senioren und Kindern auf eine unterhaltsame sowie kreative Art und Weise zu handarbeiten.

Die Aufgabenstellung, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen, hilft vielen Senioren alte Ressourcen wieder zu entdecken. Erinnerungen, das Gefühl gebraucht zu werden und verborgene Talente werden wieder erweckt. Die Anregung durch die bunte Welt der Kinder bringt neue Lebensenergie und Freude in den Alltag der Senioren.

Die Hand im Kopf.

»Die Hand ist das äußere Gehirn des Menschen« (Immanuel Kant).

Das Wort «begreifen» zeigt den Zusammenhang zwischen Hand und Gehirn auf. Mit den Händen zu arbeiten macht uns handlungsfähig und sorgt für klare Begriffe.

Es ist also höchste Zeit dem Textilen Werken oder Textilen Gestalten, eben dem „HAND ARBEITEN“ wieder einen Platz in unseren Schulen zu geben.

Der Bildungsauftrag „Was macht die Hand im Kopf?“

Eure MARIAMA

Für alle Interessierten… Ich habe zu diesem Thema eine facebookseite:

„Textiles Werken und Ernährung und Haushalt“

https://www.facebook.com/pages/Textiles-Werken-Ern%C3%A4hrung-und-Haushalt/131386873625659?ref=bookmarks

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1 Comment
  1. Regina Hapka says

    Liebe Mariama,
    Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe zwei erwachsene Kinder und habe in der Geriatrie als Altenpflegerin gearbeitet. Mir war es immer ein Bedürfnis, meinen Kindern „Handarbeit“ in jeglicher Form und mit den unterschiedlichsten Materialien spielerisch etwas zu erschaffen. Etwas was Freude macht und sie auch stolz macht. Bei den Senioren konnte man feststellen wie sie aufblühten und so nach und nach Verloren geglaubtes und Erlerntes wieder an die Oberfläche kam. Ich habe dadurch viele Einblicke in andere Leben gehabt und selbst wurde ich dadurch bereichert. Es hat mir immer viel Freude bereitet zu zusehen mit welchen Eifer und der Lust etwas mit den Händen zu tun Spass machte. Meine Tochter ist heute Erzieherin und gibt vieles weiter was sie in der Kindheit und Jugend gelernt hat. Dies ist für mich das Zeichen, das ich es richtig gemacht habe.