Beanie, Tuque oder Barretina?

marianne-barretina-120x219 Beanie, Tuque oder Barretina?

Marianne mit Barretina

Wie meine aktuellen Nachforschungen ergaben, bezeichnet man heutzutage so ziemlich alles, was man sich auf den Kopf stülpen kann, als “Beanie“. Wobei dann aber doch mittels Attributen wie “slouchy” oder “baggy” spitzfindig differenziert wird. Lange habe ich darüber gerätselt, was unförmige “Kopfsocken” wohl mit Bohnen zu tun haben könnten. Allerdings hatte ich auch nie einen Anlass, dieser Frage ernsthaft auf den Grund zu gehen.

Gleich vorweg – mit Bohnen haben Beanies rein gar nix an der Mütze.  Vielmehr beschwören die einen Historiker, dass sich die Mütze zuerst als praktische Kopfbedeckung der arbeitenden Klassen bewährt hat. Hafenarbeiter, Seeleute, Maschinisten und andere harte Jungs hielten damit die Haare aus der Stirn, ohne dass eine Krempe störte.

Andere Quellen wollen wissen, dass bereits in mittelalterlichen Universitäten mehrteilige, an der Spitze mit einem flachen Knopf zusammengefasste Kopfbedeckungen als “bejaunus” (yellow-hats), später “beanus” die Häupter angehender Studenten zierten.

Sehr viel später entwickelten sich daraus die Baseball Caps und kindische Fans von Science Fiction schmückten sich mit einem “Propeller-Beanie“. Noch heute bezeichnet man verschrobene Computer- und Technik-Freaks als “Propeller-Heads“.

Gelehrte aus “Down Under” bestehen darauf, dass Beanie den Schädel bezeichnet und der Begriff die anliegenden Mützen somit ganz logisch benannte.  Und dass dies die einzig wahre Historie ist, beweist man mit einem jährlichen “Beanie Festival” in der “Welthauptstadt der Beanies“, Alice Springs.

Wieder andere Quellen sehen den Ursprung der Beanies bei den “Watch Caps” der Seeleute, die beim Wache schieben bequeme Mützen trugen, die gegen Wind und Wetter schützten.

Die gestrickte Mütze ohne Krempe (brim), die heute in USA, UK, Australien, Neuseeland gemeinhin als Beanie bezeichnet wird, ist aber eigentlich ein Tuque (auch Touque). Ein Bruque ist dann ein Tuque mit Krempe (brimmed Tuque). Und wenn dann noch ein Bommel obenauf sitzt, spricht man von einem Boggan oder Sherpa. Ist ein Tuque ziemlich ausgebeult, dann kriegt er flugs die Eigenschaft “baggy” oder “slouchy“, wenn man einen schlampig-unförmigen Tuque meint.

Nicht zu verwechseln mit einem eng anliegenden knappen Skullcap, der religiöse Kopfbedeckungen wie die jüdische Yarmulka (Kippa) oder den Zucchetto der katholischen Geistlichen zum Vorbild hat.

Auch die Phrygische Mütze (phrygian cap) fließt in die Mode der heutigen Beanies ein. Ich nenne sie die “Gartenzwergmütze“, eine locker sitzende Mütze mit einem keck nach vorne weisenden abgerundeten Zipfel. So wie sie die französische Marianne auf manchen Abbildungen trägt. Weil nämlich die Französische Revolution mit einer solchen “Bonnet Rouge” in Provokantrot Aufmützigkeit und Freiheitsliebe symbolisierte.

Auch die Barretina ist in vielen “Beanies” wiederzuerkennen und auch sie hatte in einigen europäischen Gebieten (besonders Katalanien) eine politische Bedeutung. Ja es gibt sogar heute noch eine “Bruderschaft der Barretinaires“.

Seit den 90ern erleben die Beanies jedenfalls einen modischen Höhenflug durch Grunge-Fashion und beliebte Sportarten wie Skate- und Snowboarden. Celebrities aus Film, Musik, Sport und Showgeschäft demonstrieren mit Baggy Beanies Understatement und Lässigkeit (oft kaschieren sie offenbar damit aber auch nur einen “Bad Hair Day” >;o)

Welche Einflüsse auch immer in den Mützen stecken, wir werden noch ein paar neue erfinden, wetten?

Andere englische Bezeichnungen:

Knit hat, knit cap, sock cap, stocking cap, watch cap, skull cap, skully, snow hat, snow cap, ski cap, tossle cap, woolly hat, chook, beanie, toboggan

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5 Kommentare

  1. Lilly 31. Juli 2011
  2. Lila 12. Dezember 2010
  3. Sandra
    Sandra 12. Dezember 2010
  4. kathi023 12. Dezember 2010

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